Pressestimmen

DK, 21.06.2015

Skandinavische Sonnwendfeier

Ingolstadt (DK) Für Chorleiterin Eva-Maria Atzerodt war es ein Jubiläumskonzert: Seit 25 Jahren leitet sie den Jugendkammerchor. Für den Samstagabend in der Halle neun wählte sie ein anspruchsvolles Repertoire mit skandinavischer Musik aus, passend zur Mittsommernacht.

In Skandinavien hat die Sommersonnenwende einen noch weit mystischeren Charakter als bei uns in Mitteleuropa. Rund um den 21. Juni gibt es dort die „Weißen Nächte“ zu bestaunen, in denen die Sonne nur ganz kurz untergeht und sich am Nordhimmel faszinierende Farbenspiele bilden. Man feiert diese Zeit mit verschiedenen Bräuchen, es gibt Feuer, Blumenschmuck, große Feiern mit Tanz und Musik.

Diese Elemente fanden sich im Konzertprogramm des Jugendkammerchors wieder. Stücke von norwegischen, schwedischen, lettischen und finnischen Komponisten waren an diesem Abend zu hören. Das Stück des lettischen Komponisten Jazeps Vitols handelte von der Legende über einen Elfenwald und ließ die Mystik von skandinavischen Wäldern vor dem geistigen Auge erscheinen. Der Chor glänzte hier mit einer feinfühligen Ausarbeitung der märchenhaften Stimmung und der Bedrohung durch das nicht besonders friedlich gesonnene Elfenvolk. Die Interaktion zwischen Männer- und Frauenstimmen, ihre Vereinigung in spannungsvollen Harmonien, all das arbeitete der Chor wunderbar aus und ließ den Stoff dieses Stückes dadurch so lebendig werden. Stimmungen waren überhaupt eines der Hauptelemente des Programms und hier zeigte sich der Jugendkammerchor, feinfühlig geführt von Eva-Maria Atzerodt, sehr stark. Im Stück „Aftonen“ des schwedischen Komponisten Hugo Alfvén ahmte der Chor mit leisem Summen den Nachhall eines Jagdhorns in einem abendlichen Wald nach. An die beschwingten Tänze der Mittsommernacht erinnerte Birger Sjöbergs „Dansbanan“, in dem der Chor das lautmalerische Nachahmen von Flöte und Tuba hervorragend meisterte – auch ohne die Übersetzung des schwedischen Textes im Programmheft konnte man den Tanzboden vor sich sehen. Fragile Harmonien setzten die Sänger unter anderem in Niels W. Gades „Morgensang“ und Edvard Griegs „Ave maris stella“ wunderbar um. Auch Werke einiger zeitgenössischer Komponisten waren im Programm enthalten. Sicher in komplexen Rhythmen zeigte sich der Chor im vierteiligen Stück „Ludus verbalis op. 10“ des Finnen Einojuhani Rautavaara, das aus Sprechgesang mit humorvollen Wortspielen bestand.

Der Jugendkammerchor bestach an diesem Abend mit auf sehr hohem Niveau vorgetragener A-cappella-Musik, mit sorgfältiger Ausarbeitung von musikalischen Details und mit einer überaus präzisen Aussprache der skandinavischen Texte. Die jungen Sänger, zum Teil schon viele Jahre im Chor, wirkten hervorragend zusammen. Das wird auch an dem freundschaftlichen Zusammenhalt im Chor liegen, der nicht nur in der Musik, sondern auch in der herzlichen Verabschiedung von scheidenden Chormitgliedern zum Ende des Konzerts sichtbar wurde.

Von Katrin Poese

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