Pressestimmen

DK, 06.10.2013

Singende Weltenbummler

Ingolstadt (DK) Da lacht das Herz eines jeden Musikers: Die Publikumsresonanz war so hoch, dass die Stühle nicht ausreichten. Die Zuschauer saßen zum Teil lässig auf dem nackten Betonboden und störten sich kein bisschen daran.

Denn sie wurden schließlich mit hochemotionaler und sehr gelungener Chormusik entschädigt. Beim Konzert des Jugendkammerchor am Samstag im Alf-Lechner-Museum genossen die Zuhörer ein Spitzenkonzert in einer für Chormusik sehr gut geeigneten Akustik. „Dass die Stühle nicht ausreichen, so eine Situation hatten wir zuletzt vor 20 Jahren“, freute sich Chorleiterin Eva-Maria Atzerodt.
Das Programm, mit dem der Chor mit einigen Stücken im November beim Bayerischen Chorwettbewerb teilnehmen wird, teilte sich in vier Blöcke. Zunächst erklang sakrale Musik mit Motetten und Psalmen von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Melchior Vulpius und Heinrich Schütz. Schloss man dabei die Augen, fühlte man sich wie einer großen Kathedrale mit einer mächtigen, reinen und in sich sehr gut stimmigen Kirchenorgel. Im zweiten Block sang der Jugendkammerchor Lieder aus aller Welt. Besonders beeindruckend: die ungarischen Volksweisen von Zoltán Kodály, bei denen die Sängerinnen und Sänger die komplizierte ungarische Sprache für deutsche Ohren perfekt artikulierten. In diesem und auch im letzten Teil gedachte der Chor zwei Jubiläen abseits von Verdi und Wagner: dem 50. Todestag Paul Hindemiths mit drei seiner „Six Chansons“ nach Lyrik von Rainer Maria Rilke und dem 50. Geburtstag des finnischen Komponisten Jaako Mäntyjärvi.

Ganz anders als erwartet, interpretierte der Chor im dritten Block das Volkslied „Als wir jüngst in Regensburg waren“: So raffiniert, wie man es eigentlich von Peter Fox’ zuvor erklungenem „Haus am See“ erwartet hätte. Aber das uralte Volkslied, in dem nur Jungfrauen über die Donau gefahren werden, stahl dem Charthit die Show.

Der vierte und letzte Block war dem Baltikum gewidmet, das der Chor jüngst bereist hatte. Mit einem tieftraurigen Volkslied aus Lettland, dem „Ännchen aus Tharau“ – das kommt auch aus dieser Gegend – und einem echten sowie einem Pseudo-Yoik aus Finnland beschloss der Jugendkammerchor sein Konzert.

Am Schluss, traditionell wie immer: das Abendlied von Josef Rheinberger. Wahrscheinlich kullerte da die eine oder andere Träne bei den Sängern, die zuvor eine rote Rose bei ihrem persönlichen Abschiedskonzert bekommen hatten.

Von Christine Engel

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