Pressestimmen

DK, 07.10.2012

Internationale musikalische Poesie

Ingolstadt (DK) Gemeinsam mit zwei Gastchören und nahezu 90 "Ehemaligen" feierte der Jugendkammerchor Ingolstadt am Samstag im Theaterfestsaal sein 30-jähriges Bestehen. Ans Dirigentenpult kehrte dabei neben der derzeitigen Chorleiterin Eva-Maria Atzerodt auch Gründer Felix Glombitza zurück.

Auf dem Programm standen einerseits noch aus der Anfangszeit bekannte Werke wie Brahms’ "Vineta", andererseits wurde das Repertoire um zeitgenössische Chorliteratur erweitert und damit auch der Nationen übergreifende Aspekt chorischen Singens betont. Verstärkend kam diese national-internationale Ausrichtung des mehrfach preisgekrönten Jugendkammerchors durch die Auftritte der eingeladenen Partnerchöre zur Geltung: Perpetuum Cantabile aus dem pfälzischen Neustadt an der Weinstraße unter Leitung von Steffen Utech und der slowenische Chor Megaron aus Ljubljana mit Damijan Mocnik an der Spitze gestalteten jeweils einen eigenen Darbietungsteil. Der Kammerchor aus Neustadt wartete vor allem mit pfälzischem Liedgut wie dem "Jäger aus Kurpfalz" oder "Die Erde braucht Regen" auf. Dabei schöpften die männlichen Choristen ihren kleinen Vorteil, stimmlich knapp in der Überzahl zu liegen, für sich aus. Auch Megaron bot in klanglich ausgesprochener Homogenität neben zwei landessprachlichen geistlichen Stücken zwei slowenische Volkslieder dar. Dem renommierten Jugendchor gelangen die Stimmungswechsel zwischen tänzerischer Heiterkeit und religiöser Andacht einwandfrei. Rhythmisch und dynamisch bemerkenswert präzise auch das repetitorisch-lautmalerische "Rondo Lapponico" von Gunnar Hahn, ein Potpourri lappländischer Melodien, sowie die von Anna Cederberg arrangierten "Raindrops keep fallin’ on my head".

Der über 80-köpfige Ehemaligen-Chor des Jugendkammerchores spannte den Bogen vom volkstümlichen "In einem kühlen Grunde" über das "Schwefelhelzle" in badischer Mundart zu Spirituals wie "Halleluja"und "Wade in the water". Abgesehen davon, dass bei einer derartigen Stimmenvielzahl enormes Klangvolumen garantiert ist, bewiesen die früheren Chormitglieder mit hörbarem Vergnügen, dass sie von ihren Sangeskünsten nichts eingebüßt hatten.

In zwei Blöcken trat das "Geburtstagskind" selbst, der Ingolstädter Jugendkammerchor, auf. Bei der Programmauswahl hatte sich Dirigentin Eva-Maria Atzerodt nicht an Komponisten, sondern vielmehr an Dichtern orientiert – zunächst an denen der deutschen Romantik mit etwa Schumanns/Eichendorffs "Im Walde" oder mit Brahms’ "Von alten Liebesliedern" aus "Des Knaben Wunderhorn". Im zweiten Teil wurde es dann fremdsprachig: Nach impressionistischen Debussy-Sätzen über französische Gedichte von Charles d’Orleans bildeten aktuelle Shakespeare-Vertonungen aus "Macbeth" und "A Midsummer Night’s Dream" des Finnen Jaakko Mäntyjärvi sowie des Münchners Stefan Kalmer den Schwerpunkt. Ergänzt wurden sie um moderne japanische Chormusik von Ko Matsushita. Allesamt bestachen sie in der Interpretation des Jugendkammerchors durch ausgefeilte Artikulation und routinierte Stimmführung.

Zum krönenden Abschluss standen alle vier Chöre gemeinsam auf der Bühne: Insgesamt mehr als 150 Sänger vereinten sich zu Mendelssohns überirdisch-tröstlichem "Denn er hat seinen Engeln befohlen" und dem pfiffigen Spiritual "Witness". Mit Rheinbergers sechsstimmigem, bewegendem "Abendlied" verabschiedete sich der Jubiläumschor von seinem begeistert Ovationen spendenden Publikum. Ein äußerst gelungenes Festkonzert mit einem poetischen Querschnitt durch die internationale A-cappella-Musik aus mehreren Jahrhunderten.

Von Heike Haberl

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