Pressestimmen

DK, 05.10.2012

Zum Geburtstag eine neue CD

Ingolstadt (DK) Was hat der afrikanische Teilstaat Sansibar mit dem Jugendkammerchor Ingolstadt zu tun? Nach Ostafrika ist der reiselustige Chor noch nicht gefahren. Vielmehr eignet sich Sansibar bestens als Aufwärmübung. "Sahahahansibar" singen die 40 jungen Männer und Frauen zwischen 15 und 31 Jahren unisono und sehr melodiös im leeren Reuchlin-Gymnasium am Tag der Deutschen Einheit. Den ganzen Tag sitzt und steht der Chor bei schönstem Herbstwetter und mit vollem Elan im Musiksaal und probt für das Jubiläumskonzert am heutigen Samstagabend im Festsaal.

Anno 1982 gründete Felix Glombitza den Chor mit der Intention, anspruchsvolle Chormusik zu singen. "Es gab damals keinen richtigen Jugendchor in Ingolstadt und ich wollte unbedingt was mit jungen Leuten machen", sagt der Musiklehrer heute.
Der Chor zog schnell viele Sänger an. "Am Anfang haben wir noch mehr getanzt als gesungen. Wie damals auf dem Altstadtfest", erinnert sich Glombitza. "Da war ich zum Glück noch nicht dabei", erwidert Eva-Maria Atzerodt. Sie stieß 1983 zum Chor. Da hatte sich das Ensemble schon etabliert. Getanzt wurde nicht mehr. Stattdessen beschäftigte sich der Chor, dessen Mitglieder aus der ganzen Region 10 stammen, nicht nur mit schwierigen Stücken aus Klassik und Romantik, sondern zunehmend mit moderner Chormusik. Das tat der Jugendkammerchor so professionell, dass er in den kommenden Jahren zahlreiche Preise und Auszeichnungen gewann.

1990 war für den Jugendkammerchor ein ereignisreiches Jahr. Der größte Triumph wurde gefeiert: Die Sänger gewannen den Deutschen Chorwettbewerb. Und Afrika spielte eine große Rolle. Felix Glombitza ging als Lehrer an eine deutsche Schule nach Lagos, der damaligen Hauptstadt Nigerias. "Ich konnte beruhigt fahren, denn ich wusste ja, dass es da jemand gibt, der bestens geeignet schien, den Chor zu übernehmen. Das war wirklich eine große Entlastung für mich." Dieser Jemand war Eva-Maria Atzerodt. Zu der Zeit Musikstudentin in München. "Ich wusste nicht so genau, was auf mich zukommt. Aber man entwickelt neue Ideen, probiert neue Sachen aus und macht auch das, was über die Jahre gut war", sagt Eva-Maria Atzerodt. Unter ihrer Leitung gewann der Chor weitere Wettbewerbe, wie den internationalen Rundfunkwettbewerb "Let the people sing".

Gemeinsame Konzertreisen waren und sind fester Bestandteil des Chorlebens. Kroatien, Schottland, Dänemark, Belgien – um nur einige Ziele zu nennen. In jedem Jahr sucht sich der Chor einen Ort aus, um auf Konzertreise zu gehen. Das festigt das Gemeinschaftsgefühl, und Freundschaften mit anderen Chören entstehen. Wie mit "Sonaglio" aus Prag, "Komorni zbor megaron" aus Ljubljana und "Perpetuum cantabile" aus Neustadt, die am Samstag ebenfalls singen werden.

"Die gemeinsamen Reisen und die gemeinsamen CD-Aufnahmen sind für mich die Höhepunkte im Chorleben", sagt Eva-Maria Atzerodt. Auch zum 30. Geburtstag hat der Jugendkammerchor ein neues Album aufgenommen: "Poesiealbum a cappella".

Das erklärte Lieblingsstück aller Chormitglieder und seit jeher im Programm ist auf der CD nicht zu hören: das "Abendlied" von Josef Rheinberger. Es begleitet den Chor schon sein ganzes Leben. Gesungen wurde es sowohl zum Abschied von Felix Glombitza als auch an fast jedem Konzertende.

"Wir singen es auch jedes Silvester um Mitternacht", erzählt die 23-jährige Katharina Binner, Mitglied seit 2005. Zum Geburtstag wünscht sie sich einen vollen Festsaal. "Es wäre schön, wenn mehr Offenheit und Interesse von der Bevölkerung kämen", meint sie. "Außerdem wäre neue Chorkleidung gut."

Von Christine Engel

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