Pressestimmen

DK, 04.10.2012

30 Jahre und kein bisschen leise

Ingolstadt (DK) Er ist eines der erfolgreichsten musikalischen Ensembles der Region und fester Bestandteil der Kulturszene: der Jugendkammerchor Ingolstadt. In diesem Jahr besteht er seit 30 Jahren. Am morgigen Samstag wird das Jubiläum mit einem Konzert gefeiert.

So etwas wie die Regensburger Domspatzen – das wäre doch auch was für Ingolstadt. Dies dachte sich Anfang der 1980er Jahre Reinald Atzerodt, der Vater von Eva-Maria Atzerodt, der heutigen Chorleiterin. Denn einen Jugendchor gab es in der Schanz bis dahin nicht. Also wandte er sich an Felix Glombitza, der als Schulmusiker von den Regensburger Domspatzen nach Ingolstadt ans Reuchlin-Gymnasium gekommen war. "Mein Vater wollte Felix damals sozusagen ködern, damit er durch den Jugendchor an Ingolstadt und an die Schule gebunden war", berichtet Eva-Maria Atzerodt aus der Anfangszeit. Seit 30 Jahren schmettert der Jugendkammerchor nun seine Lieder und bereiste fast ganz Europa. Ein musikalisches Engagement war auf den Weg gebracht worden, das junge Menschen frühzeitig an anspruchsvolle Chormusik heranführen sollte.
Die Mühen wurden reich belohnt: 1990 mit dem ersten Platz beim Deutschen Chorwettbewerb und noch im selben Jahr mit dem zweiten Platz beim Europäischen Jugendchorwettbewerb. Damit sind gerade einmal zwei von zahlreichen Auszeichnungen genannt, die der Chor als Verein im Laufe seines Wirkens erhalten hat. Von der ersten Stunde an mit dabei waren Eva-Maria Atzerodt, seit 22 Jahren Leiterin des Chors, und Cosima Hensel-Grosch, eines der Gründungsmitglieder.

Auch heute noch ist der Chor ein eingeschworener Freundeskreis. Überhaupt stand Freundschaft bei den Mitgliedern immer hoch im Kurs, schweißte das Ensemble über Jahre fest zusammen. Doch nicht nur Jugendliche gehen im Chor ihrer Leidenschaft nach: "Das Eintrittsalter liegt bei etwa 15 Jahren und ist nach oben offen", sagt Atzerodt.

Zum derzeitigen Ensemble gehört auch Bernadette Schmidt (18), die Gesang studieren möchte. "Im Jugendkammerchor habe ich das meiste für die Stimmbildung gelernt", sagt sie. "Man schließt aber auch tolle Freundschaften. Das ist ein Grund, warum man aus dem Chor nicht mehr raus möchte."

"Aus der Anfangszeit, also auch aus meiner Zeit beim Jugendkammerchor, haben sich viele kleine Ensembles gegründet. Beispielsweise ein Männerchorensemble, das jetzt 27 Jahre existiert. Das hat in Ingolstadt die Chorkultur sehr gefördert", erinnert sich Cosima Hensel-Grosch an die frühen Jahre und ihre erfreulichen Folgen für die Ingolstädter Musikszene zurück. Der erste Auftritt erfolgte 1982 bei der Premiere des Altstadtfestes. "Wir haben selbst gemachte Mittelalterkleidung getragen, Tänze aufgeführt und dazu gesungen." Ein ganz anderes Niveau als heute also. "Das ist aber wahnsinnig schnell gestiegen", sagt Hensel-Grosch. "Felix Glombitza hat während seiner Zeit als Chorleiter auch Sachen gewagt, die man dem Chor noch nicht zugetraut hätte, die noch nicht perfekt waren. Aber daran ist der Chor gewachsen. Man hat sich ausprobiert und gesteigert." Es seien gerade zu Beginn keine erfahrenen Chorsänger dabei gewesen. "Dafür war das Niveau im Vergleich zu einem Schulchor schon Wahnsinn", sagt Atzerodt zurückblickend.

Das Jubiläumskonzert am morgigen Samstag beginnt um 19 Uhr im Festsaal des Stadttheaters. Karten gibt es unter anderem in der DK-Geschäftsstelle in der Mauthstraße und beim Musikhaus Zäch, Am Stein.

Von Michael Brandl

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