Pressestimmen

DK, 29.06.2009

Liturgische Erhabenheit

Ingolstadt (DK) Für erfahrene Konzertbesucher hatte der Jugendkammerchor eine Überraschung vorbereitet: Die Klänge des ersten Stücks schwebten von der Empore zu den Ohren der Zuhörer. So konnte man sich – nicht unnötig abgelenkt von visuellen Eindrücken – ganz und gar auf die romantische Raffinesse von Mendelssohn Bartholdys großem "Te Deum" konzentrieren und gleichzeitig die hervorragende Akustik der Asamkirche genießen. Auch im weiteren Verauf erhob der Chor den Ortswechsel zum Stilmittel: Ein in moderner Tonsprache gehaltenes "Ave Maria" von Albert de Klerk präsentierten die Sänger ganz hinten im Kirchenschiff.

Bei den folgenden Stücken gab sich der Chor nun endlich den Augen des Publikums preis, klassisch vorne im Kirchenschiff aufgereiht. Und doch hatte der Jugendkammerchor schon in den ersten Minuten bewiesen, dass er sich von der Masse abhebt – durch kreative Ideen und einen auch den Unbeteiligten im Publikum sichtbaren starken Zusammenhalt als Ensemble.

Meister der Nuancen

Auch konnten sich sowohl die Chorsänger als auch Chorleiterin Eva-Maria Atzerodt als Meister der Nuancen beweisen. Sämtlichen Stücken des Programms lagen ein liturgischer oder biblischer Text oder zumindest ein Bezug zu kirchlichen Inhalten zugrunde. Von diesem Merkmalen ausgehend entführte der Jugendkammerchor die Zuhörerschaft in die skandinavische Klangwelt und in die Welt der eher klassischen liturgischen Chormusik – quer durch alle Epochen und Stilrichtungen.

Bei Heinrich Schütz' "Das ist je gewisslich wahr und ein teuer wertes Wort" konnten die Sänger ihr Verständnis für ältere Chormusik zur Geltung bringen und sich auch in schwierigen Passagen sehr souverän zeigen. Die besonderen Merkmale von Schütz' Musik, starke Extreme und große Affekte, die seine Musik fast modern klingen lassen, wurden dabei schön umgesetzt. Auch sehr modernen Stücken, wie dem "Mundi renovatio" von György Orban mit Anklängen an Sprechgesang zeigte sich der Chor gewachsen.

Voller Klang

In verkleinerter Besetzung als Männerchor konnten die Sänger mit Schuberts "Salve Regina" und mit einem gospelähnlichen "Plenty good room" durch ihren vollen Klang und souveräne, erfahrene Sänger – vor allem im Bass – brillieren. Auch der Frauenchor konnte mit Hauptmanns "Gebet" und Poulencs "Ave verum corpus" Klangwelten schaffen, in die man als Zuhörer völlig versinken und von denen man sich forttragen lassen konnten – das alles stets in gestochener Reinheit der Klänge.

Das umfangsreiche Programm zeichnete sich durch hohen Anspruch und Vielfältigkeit aus. Der Jugendkammerchor konnte seinen hohen Grad an Professionalität und das besondere musikalische Feingefühl, mit dem sich nicht jeder Chor schmücken kann, einmal mehr unter Beweis stellen.

Katrin Poese

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