Pressestimmen

DK, 04.12.2007

Giganten der Musikgeschichte

Jugendkammerchor gibt Adventskonzert in St. Konrad

Ingolstadt (DK) Landauf, landab wird der Advent mit Konzerten geistlicher Musik gefeiert. Meistens ist Besinnlichkeit, sind dabei ruhige Töne Hauptgegebenstand des musikalischen Genusses. Gibt es aber gleich zwei groß angelegte Messvertonungen, so ist wohl noch ein anderer Anlass mit ihm Spiel. Am Sonntagnachmittag war dieser Anlass zum Konzert des Jugendkammerchors Ingolstadt sein Jubiläum zum 25-jährigen Bestehen. Dabei wurde der von Eva-Maria Atzerodt geleitete Jugendkammerchor vom Ensemble perpetuum cantabile und dem Jugendchor Duttweiler verstärkt und von den Süddeutschen Kammersolisten begleitet. Dieses Ensemble aus freiberuflichen Musikern ist besonders im Raum Heilbronn tätig und hat sich auf die Zusammenarbeit mit Chören spezialisiert, um vor allem oratorische Literatur zur Aufführung zu bringen. Zwei Giganten der Musikgeschichte standen auf dem Programm. Der eine im Bewusstsein der aus dem Mittelalter kommenden liturgischen Tradition auch musikalisch den ehrwürdigen Gepflogenheiten der Messkompositionen verpflichtet und dabei spielerisch, aber auch äußerst innovativ, an die barocke Blüte- und Glanzzeit dieser Gattung anknüpfend: Wolfgang Amadeus Mozart – der seine Kreativität dem Text unterstellt, zunächst und vor allem diesen zur Geltung bringen will und kaum Experimente mit der Form eingeht. Der andere ein Visionär multimedialer Musikumsetzung und vom Klang und den Steigerungsmöglichkeiten des großen, romantischen Symphonieorchesters besessen: Giacomo Puccini – der geradezu kindlich vernarrt ist in den Belcanto und durch und durch Opernkomponist.

Mozarts "Credo-Messe" wurde von Chor und Orchester in kristallener Klarheit umgesetzt, voll Helligkeit und Strahlkraft. Der Jugendkammerchor bewies hier eine beispielhafte Disziplin in der Artikulation und punktgenauen Stimmführung. Die vier Solisten – allesamt Musikerinnen und Musiker, denen viel an der Vermittlung von Musik an die junge Generation gelegen ist – traten beim Mozart meistens als Quartett in Aktion: Die Sopranistin Verena Gropper und die Altistin Hanna Möller, zwei junge Sängerinnen voller Ehrgeiz und Esprit, die genau die Waage hielten zwischen Präsenz und Integration, die mit ihren schönen Stimmen individuell hervortraten und sich dennoch zu einem Teil des Gesamtwerks machten; Markus Roberts mit seinem geschmeidigen Tenor, der vor allem in den ausgedehnten Soloarien in Puccinis Messe ein musikalisches Heimspiel hatte; und der Bassist Hans Ulrich Zeeb mit seiner trotz Halsentzündung ungetrübten, feinen Stimme.

Während bei Mozart die Genauigkeit die Musik machte, waren es in Puccinis "Missa di Gloria" eher klangliches Volumen, aufwühlende Effekte und eindringliche Melodien. Farbenreiche Instrumentierungen, kontrastreicher Einsatz musikalischer Formelemente und Tempowechsel sorgten nicht nur für spannungsreiche Unterhaltung (ganz wie in Puccinis Opern) – sie waren vor allem auch eine bewusst angenommene und kunstgerecht gemeisterte Herausforderung für den Jugendkammerchor Ingolstadt und die Süddeutschen Kammersolisten: spektakuläres Jubiläum und prächtiges Adventskonzert in einem.

Sebastian Ulrich

zurück zur Übersicht