Pressestimmen

DK, 21.05.2007

Ein Vierteljahrhundert vokaler Höhenflüge

Ingolstadt (DK) Mehr als 100 Sängerinnen und Sänger, ehemalige und aktuelle Chormitglieder, vereinten sich am Ende auf der Bühne des Ingolstädter Festsaals, um gemeinsam mit einem Spiritual und zwei Gesängen von Felix Mendelssohn Bartholdy unter das Jubiläumskonzert des Jugendkammerchores einen eindrucksvollen Schlusspunkt zu setzen.

1982 von Felix Glombitza ins Leben gerufen, wurde der Jugendkammerchor Ingolstadt dank überragender sängerischer Leistungen, enorm anspruchsvoller Programme und ihrer mitreißenden Vermittlung schnell zu einer festen und gewichtigen Größe in Ingolstadts Kulturszene. Ab 1990 führte Eva-Maria Atzerodt den Chor weiter, und bis heute garantiert sie mit ihrem inzwischen auf mehr als 50 Mitglieder angewachsenen Ensemble stets aufs Neue packende Konzertauftritte. Der vielfach ausgezeichnete Chor feierte sein 25-jähriges Bestehen mit einem Konzert, das geschickt viele eigene Repertoire-Klassiker mit einigen neuen Stücken verknüpfte und zu vier thematischen Einheiten zusammenfasste.

Im eröffnenden Teil mit Geistlicher Musik waren schnell die vokalen Qualitäten wieder da, die, bei aller personellen Fluktuation, seit eh und je Markenzeichen des Jugendkammerchores sind: leicht-beschwingte Eleganz der Linienführung (wie in Bachs Motette "Singet dem Herrn"), ein kraftvoll-aufgefächertes, dann wieder subtil-abgeschattetes Klangbild (wie in Schütz’ "Die Himmel erzählen die Ehre Gottes" und im Mittelteil von Swiders "Cantus Gloriosus"), eine intensive emotionale Präsenz und klanglich geschärfter Nachdruck (wie in Francis Poulencs "Exultate Deo") und die kontrastreiche, vielschichtige, auch solistisch geführte Gestaltung der Details (wie in Mendelssohns "Warum toben die Heiden"). Die obligatorische Einbindung neuere Musik widmete sich dem "Bonum est confiteri" von Vic Nees, dessen suggestive Beschwörungskraft durch Tenorsolo (Steffen Utech), Harfe (Beate Fürbacher) und Schlagzeug (Stefan Landes) noch verstärkt wurde.

Der Block mit europäischen Volksliedern gab sich ähnlich vielgestaltig wie zuvor die Geistlichen Gesänge. Orlando di Lassos Ohrwurm "Matona mia cara" und das Dvoraks "Humoreske" nachgebildete Lied "Eine kleine Frühlingsweise" zeigte die Männerstimmen in bestem Licht, zwei Brahmssche Volkslieder waren den gleichfalls überzeugenden Frauenstimmen vorbehalten. Mit "Auf einem Baum ein Kuckuck saß" im Satz von J.-D. Link wurden auch pfiffig-virtuose Töne angeschlagen, und ansonsten dominierten sehr klangfeine, verhalten und unmanieriert gestaltete Volksliedsätze. Die unter dem Titel "Mythen und Legenden" vorgetragenen Lieder hatten nach dem lautmalerisch-stimmungsvollen "Elfenwald" von Jazeps Vitols und dem lebhaften und wendigen "Weniki" aus Russland ihren Höhepunkt in vier Gesängen von Einojuhani Rautaavaara nach Texten von Garcia Lorca. Die düsteren Visionen von Nacht und Tod entwickelten unter Eva-Maria Atzerodts Stabführung eine poetische, bezwingende Kraft, die das gestalterische und sängerische Potenzial des Jugendkammerchores nachdrücklich bestätigte.

Entspannt und populär ging es (vor dem Zugaben-Finale in großer Besetzung unter Leitung von Felix Glombitza, Steffen Utech und Eva-Maria Atzerodt) mit John Rutters fabelhaften Vertonungen englischer Nonsens-Lyrik und einem kurzen Petrassi-Stück sowie dem schwungvoll-eingängigen "Rhythm of life" auf die Zielgerade dieses in jeder Hinsicht begeisternden Jubiläumskonzertes, so dass man dem Jugendkammerchor als Einziges für die kommenden Jahre nur weiterhin ebenso viel Enthusiasmus für und Hingabe an die Musik wünschen kann wie in den 25 Jahren bisher.

Heinz Zettel

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